65 Jahre nach Flucht und Vertreibung –Gegenwart
und Zukunft der Heimatkreise


Jahrestagung des Pommerschen Kreis- und Städtetages


PKST-Präsidentin Margrit Schlegel


Die PKST-Jahrestagung 2010 fand vom 16.-18. April erstmals in der Patenstadt der Naugarder, in Heide in Holstein statt. Die Präsidentin konnte von siebenundzwanzig Heimatkreisen Vertreter von vierundzwanzig begrüßen, und zwar waren oftmals die Vorsitzenden und auch die Heimatkreisbearbeiter gekommen.

Das PKST-Präsidium
Das PKST-Präsidium



Die Tagung begann mit einem Begrüßungskaffeetrinken. Bürgermeister Ulf Stecher begrüßte die pommerschen Gäste in seiner Stadt. Er stellte die Patenschaft der Stadt Heide zu den Naugardern besonders heraus. Des weiteren erwähnte er die zahlreichen Pläne zur Umgestaltung der Innenstadt, u.a. ist die Errichtung eines großen Einkaufszentrum vorgesehen.

Auch der Vorsitzende der Pommerschen Landsmannschaft, Ortsgruppe Heide, Armin Stabenow, begrüßte die Teilnehmer der PKST-Tagung. Er erinnerte an das Ankommen nach Flucht und Vertreibung in Dithmarschen. Die Einwohnerzahl der Stadt Heide stieg damals in den Jahren 1945/46 auf das Doppelte. Wenn auch der Anfang schwierig war, inzwischen sind die Pommern längst hier heimisch geworden. Mit Frühlings- und Heimatliedern umrahmte der Chor der PLM Heide den Auftakt zur Jahrestagung.

Die Präsidentin begrüßte dann den Referenten des Nachmittags, Herrn Dr. Wolfgang Kessler, Direktor der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne. Das Thema seines Vortrags lautete: „Möglichkeiten zur Erhaltung des pommerschen Kulturgutes, u.a. Digitalisierung von Schriftgut“. Zunächst erfuhren wir etwas über die rechtliche Seite der Digitalisierung, z.B. dass Veröffentlichungen erst 70 Jahre nach dem Tod des Autors möglich sind. Über eintausend Bücher und Zeitschriften sind bereits in Herne digitalisiert, damit sind sie gesichert und allgemein zugänglich. Für junge Leute ist das Internet die „Erste Adresse“. Die Internetseiten der Heimatkreise sind nach Meinung von Dr. Kessler durchweg gut.

Teilnehmer der Tagung
Teilnehmer der Tagung



Der Erhalt unserer Heimatstuben muss gesichert werden, und die Sammlungen sollten auf keinen Fall nach Polen gegeben werden. Mit Hilfe der modernen Technik ist es möglich den interessierten Polen alles zugänglich zu machen und Kopien nach dort zu geben.

„Wir fühlen uns für das Kulturgut verantwortlich, Sammlungen bleiben in Herne zusammen und können noch ergänzt werden“, mit diesem Versprechen endete der Vortrag von Dr. Kessler. Viele Fragen unserer Landsleute konnte der Direktor der Martin-Opitz-Bibliothek anschließend beantworten.

Eine Mitarbeiterin der Zeitung „Welt am Sonntag“ besuchte unsere Tagung in Heide und hat mit einigen Landsleuten Gespräche geführt zum Thema „ Das Verhältnis zu unserem Nachbarland gilt als gespannt, doch die Menschen haben sich längst gefunden“. Ein Bericht darüber war in der Ausgabe dieser Zeitung vom 18. April zu lesen mit der Überschrift „Der Pole kann es......“

Am nächsten Tag fand die Mitgliederversammlung des PKST statt, zu der noch Vertreter einiger Heimatkreise als Tagesgäste angereist waren.

In der Totenehrung gedachte die PKST-Präsidentin zunächst unserer Landsleute, die in den Heimatkreisen aktiv tätig waren und in den letzten Monaten von uns gegangen sind. Es sind Hans-Jürgen Torff (HK Stargard), Wolfgang Marufke (HK Lauenburg), Kurt Zielke (HK Bütow) und Heinz Gelinski (HK Stettin), sie erinnerte an die Opfer von Flucht und Vertreibung, die wir auch 65 Jahre danach nicht vergessen haben. Aus aktuellem Anlass gedachte sie der Opfer des Flugzeugabsturzes von Smolensk in Trauer mit dem polnischen Volk. Wir hoffen, dass unsere positive Haltung zur deutsch-polnischen Verständigung unter einer neuen polnischen Regierung fortgesetzt wird.

Frau Schlegel verlas dann die Grußworte des Präsidenten des Schlesischen Kreis-, Städte- und Gemeindetages, der es sehr bedauerte, dass er aus zeitlichen Gründen –die Jahrestagung der Schlesier fand zur gleichen Zeit in Schlesien statt- nicht zu uns kommen konnte.

Einleitend stellte dann die Präsidentin fest, dass man sich bereits bei der PKST-Jahrestagung 1992 in Mölln Gedanken um den Fortbestand der Heimatkreise gemacht hat. Und jetzt, 18 Jahre später, arbeiten sie immer noch, und wie man aus den Berichten ihrer Vorsitzenden entnehmen kann, sind die meisten von ihnen noch sehr aktiv, wenn auch vielfach Alter und Krankheit oftmals den Einsatz vermindern. Neue Aufgaben sind jedoch im Laufe der Jahre hinzugekommen, und zwar zunächst, und wohl an erster Stelle, die Kontakte in die Heimat. Sie werden von fast allen Heimatkreisen gepflegt.

Die Patenschaften und Partnerschaften schaffen immer wieder neue Möglichkeiten der Annäherung von Deutschen und Polen. Die Feiern zu den 700jährigen Stadtjubiläen 2009 in Naugard und in diesem Jahr in Neustettin und Stolp verbinden die alten und neuen Einwohner.

Es folgte ein ausführlicher Bericht der Präsidentin über die Arbeit des Pommerschen Kreis- und Städtetages, auch in Zusammenarbeit mit der Pommerschen Landsmannschaft, dem Pommerschen Zentralverband und dem Pommerschen Landesmuseum in Greifswald. In der anschließenden Aussprache wünschte man sich besonders von der Landsmannschaft mehr Information in der Pommerschen Zeitung.

Die meisten unserer Heimatkreise sind durch ihre in die Heimat gerichtete Arbeit besonders an den verständigungspolitischen Tagungen des PKST in Pommern sehr interessiert. In diesem Jahr steht die Tagung in Külz und Schneidemühl unter dem Leitgedanken „Möglichkeiten der Verständigung zwischen Deutschen und Polen“. Sie findet vom 14.-18.10.2010 statt.

Aus den Berichten der Heimatkreise ist zu entnehmen, dass man sich Sorgen um die zurückgehende Beteiligung der Landsleute an den Patenschafts- und Heimattreffen macht. Gemeinsame Reisen in die Heimat finden immer noch statt. Im letzten Jahr haben sich die Stargarder mit großer Beteiligung in ihrer Heimatstadt getroffen. In diesem Jahr planen die Kolberger ihr Treffen in der Domstadt. Erfreulich ist auch die Neuausgabe von Literatur, z.B. durch die Heimatkreise Stettin, Regenwalde und Naugard. Heimatbriefe geben noch die meisten der Heimatkreise heraus, diese erfreuen sich als Bindeglieder zwischen dem Heimatkreis und unseren Landsleuten großer Beliebtheit.

Die Heimatkreise Köslin und Köslin- Bublitz werden im August d.J. einen Gedenkstein in Dörsenthin bei Köslin einweihen. Der Text auf dem Gedenkstein lautet (zweisprachig): „ Zum Gedenken an die deutschen evangelischen Bewohner von Dörsenthin und Lüptow, die hier bis 1945 ihre letzte Ruhe fanden“. Geplant ist die Einweihung im Zusammenhang mit der PKST-Sommertagung, die vom 22.-27. August in Varzin stattfindet. Das Programm der Varziner Tagung wird rechzeitig in der Pommerschen Zeitung veröffentlicht. Soweit uns Adressen vorliegen erfolgt die Einladung schriftlich.

Leider nahmen in diesem Jahr keine Vertreter der Deutschen Freundeskreise aus Hinterpommern an unserer Tagung teil.

Die kurzfristigen Absagen sind im Zusammenhang mit dem Flugzeugunglück zu sehen. Wie ein roter Faden zog sich das Thema Sicherung unserer Heimatstuben durch die Berichte aus den Heimatkreisen. Es geht jetzt um die vertragliche Absicherung zwischen uns, den Eigentümern unserer Heimatstuben und Museen und den Patenschaftsträgern, dahingehend, dass unsere Heimatsammlungen dauerhaft in unseren Patenstädten/-kreisen ausgestellt werden. Sie stellen einen Teil unserer pommerschen Geschichte und Kultur dar.

Wir sollten hierzu ein Grundlagenpapier entwickeln. So hat z.B. der Heimatkreis Flatow in jüngster Zeit einen Vertrag mit dem Landlkreis Gifhorn über den Verbleib der Heimatstube im Gifhorner Schloss unterzeichnet.

Einige Heimatkreise beschäftigen sich mit dem Gedanken eine Stiftung zu gründen oder aber in der geplanten „Pommern-Stiftung“ die Heimatstuben zu integrieren.

Ein diesbezüglicher Antrag wurde aber inzwischen vom Antragsteller zurückgezogen, da der Trend in der Versammlung dahingehend war, bevorzugt bei den Paten zu bleiben.

Nach den oft sehr ausführlichen Berichten aus den Heimatkreisen, die zu einem kleinen Teil Mitarbeiter der jüngeren Generation in ihre Arbeit eingebunden haben. Durch die Heimat ihrer Eltern und Großeltern besteht eine Beziehung zu Pommern, oftmals in Verbindung mit Familien- und Ortsforschung. So können wir feststellen, dass es eine Zukunft für unsere pommerschen Heimatkreise gibt, auch wenn wir uns personell verkleinern müssen. Gute Aussichten für die Zukunft sind sicher auch durch unsere Paten, die zugleich Partner unserer Heimatorte sind, gegeben.

Für die Pommerntage vom 13.-16. Mai im Pommern-Zentrum in Lübeck-Travemünde wünschen wir uns die Teilnahme von recht vielen Landsleuten, die sich nach dem diesjährigen Motto „In Treue zu Pommern“ bekennen. Unsere Heimatkreise sind an den Informationsständen und in den Zelten als Ansprechpartner für sie da!

Die informative PKST-Tagung mit ihren in die Zukunft gerichteten Aussagen und dem Erfahrungsaustausch untereinander endete nach dem Dank der Präsidentin an die Teilnehmer mit dem gemeinsamen Gesang des Pommernliedes.